Märchen als Türöffner – ein intergeneratives Projekt

für Menschen mit Demenz und Vorschulkinder

Tagespflege

Märchen sind vielen alten Menschen aus frühester Kindheit bekannt. Sie erinnern sich an bekannte Märchen der Gebrüder Grimm. Kinder wiederum kennen Märchen aus dem Kindergarten, vom Hörbuch oder weil ihnen zu Hause Märchen vorgelesen werden.
Märchen machen beiden Generationen Spaß.

Für die Begleitung von Menschen mit beginnender Demenz bieten sich Märchen aus verschiedenen Gründen an.

  • Märchen sind in der Regel bekannt und schaffen dadurch Sicherheit – entgegen allen Unsicherheiten, die durch eine Demenzerkrankung entstehen.
  • Märchen sprechen die Gefühlsebene an. Diese Ebene bleibt bei Demenz erhalten.
  • Märchen verwenden eine einfache Sprache und sind grundsätzlich recht schlicht aufgebaut.
  • Die „Helden" in den Märchen sind oft Menschen, die nicht ernst genommen werden, wie z.B. die Jüngsten oder auch die „Dummen". Das bietet alten Menschen und Menschen mit beginnender Demenz eine Fülle an Identifikationsmöglichkeiten.
  • Die Erzählsituation weckt Erinnerungen an ein „sich geborgen fühlen, sich zu Hause fühlen". Dieses Gefühl kommt demenziell erkrankten Menschen oft abhanden in einer Welt, in der sie sich nicht mehr zurecht finden.
  • Die Seniorinnen und Senioren erinnern sich daran, wie sie ihren Kindern Märchen erzählten oder vorlasen und es kommen schöne Erinnerungen auf.

Warum intergenerativ?

  • Kinder geben älteren Menschen generell neuen Lebensmut.
  • Kinder verbreiten durch ihre Anwesenheit automatisch genau die Normalität, die den an Demenz erkrankten Senioren ständig abhanden kommt.
  • Kinder im Vorschulalter denken noch nicht so logisch wie Schulkinder. In der Beziehung sind sie Demenzkranken ähnlich, denen Logik und Orientierung mehr und mehr abhanden kommt.

Tagespflege2

Das Projekt:

Seit März 2013 führe ich jeden Dienstag zehn Besucher der Tagespflege auf der Schöneberger Insel und acht Kinder aus benachbarten Kitas des Taeks e.V. auf eine Reise ins Märchenland. Inzwischen sind zwischen Kindern und Senioren schon kleine Freundschaften entstanden.

Unter dem Link finden Sie eine nähere Beschreibung des Projektes:

http://www.tagespflege.nbhs.de/index.php?id=5149&no_cache=1&print=1

Einen längeren Beitrag zu dem Projekt finden Sie in dem Fachbuch: Menschen mit Demenz durch Kunst und Kreativität aktivieren

http://www.springer.com/de/book/9783662488249

Wie es dazu kam?

Als Kind liebte ich die kuschlige Atmosphäre, wenn meine Oma oder Mutter mir Märchen erzählten. Heute knüpfe ich genau an diese Erinnerung an, wenn ich meiner an Demenz erkrankten Mutter Märchen erzähle. Sowohl auf Kinder als auch auf Demenzkranke überträgt sich dieses Gefühl von Geborgenheit in der familiären Atmosphäre. Meine Mutter erinnert sich plötzlich wieder an Märchensprüche wie: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land" oder „Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?" Als Geschichtenerzählerin erzähle ich Kindern schon seit vielen Jahren Märchen und ich bin ich sehr froh darüber, dass es mir in diesem Projekt gelungen ist, die beiden Generationen zusammenzubringen.

Dieses Projekt wird zu gleichen Teilen vom Nachbarschaftsheim Schöneberg und dem Taeks e.V. finanziert.